Archäologischer Fund

Im Jahr 2008 fand man im Strader Wald durch Zufall das Grab einer Person, die in einer Sonderbestattung nahe der Via Claudia Augusta begraben worden war. Schnell war klar, dass es sich nicht um eine „gewöhnliche“ Person handelte: sie war in Bauchlage und mitsamt aller Habseligkeiten begraben worden. 

Univ.-Prof. Dr. Harald Stadler und sein Team vom Institut für Mittelalter- und Neuzeitarchäologie der Universität Innsbruck waren mit der Ausgrabung der „Heilerin“ beauftragt.

Fundort

Gefunden wurde die „Heilerin“ im Strader Wald in Tarrenz, in der Nähe eines Parallelweges zur Via Claudia Augusta. Der Bestattungsort war, wie bereits erwähnt, sehr ungewöhnlich, da er weitab von jeglicher Siedlung liegt. Der Hauptteil des Fundes lag in 40cm Tiefe. Die Finder (Jochen Reheis, Christian Deutschmann und Franz Neururer) verhielten sich vorbildlich und meldeten den Fund unmittelbar, ohne die Fundstelle zu beschädigen. Von Ihnen wurden der Schädel und diverse Metallgegenstände aufgefunden.

Beigaben

Funde um den Schädel: Eisenschere, Eisen-Messing-Beschlag, zwei Schröpfköpfe, eine große Keramikperle. Perlen aus verschiedenen Materialien (Bergkristalle, Pechkohle, Glas, Buntmetall), Kettchenanhänger, Hafteln und Ösen, Haftel aus Eisen

Funde im Bereich der Hüfte: möglicherweise organischer Behälter aus Buntmetall mit Fingerhut, fünf Eisenschüssel, zwei Silbermünzen, weitere (noch) undefinierte Objekte

Verschiedene Bestandteile einer Kette waren vom Schädel bis zum Becken verteilt.

Interpretationsmöglichkeiten

Mehrere mögliche Schicksale der Heilerin:

Marketenderin oder Vagatin aus dem Dreißigjährigen Krieg, die während des Zugs von einem Dorf zum anderen starb und neben der Straße verscharrt wurde

Fahrende, die als Heidin bestattet wurde

Einheimische Selbstmörderin, welche nicht in geweihter Erde bestattet werden durfte

Tötung mit rituellem, abergläubischem oder kriminellem Hintergrund

Pathologie

Die „Heilerin“ war ca. 160 cm groß und zwischen 30 und 40 Jahre alt. Sie litt an einer Knochenhautentzündung am linken Schienbein, hatte Osteophyten an der Wirbelsäule, sowie Karies und Kieferabszesse.

Bestattungs- und
Fundsituation

Die Tote lag auf dem Bauch mit dem Gesicht nach unten und ihr linker Oberschenkelknochen fehlte, ansonsten waren ihre Gebeine aber vollständig erhalten.

Mögliche Todesursachen

  • Blutvergiftung
  • Pest oder Fleckfieber
  • Suizid
  • Mord (durch Erwürgen oder Gift)

Aufgrund der Beigaben ist unsere Heilerin in der Volksmedizin mit magischem Hintergrund anzusiedeln. Die Übergänge zwischen Medizin und Magie waren zu ihrer Zeit meist fließend und somit schwer einzuordnen. Es ist schwer zu sagen, ob man heute dasselbe unter „Magie“ verstehen würde wie damals.

Die Zeit der Heilerin

Die „Heilerin vom Gurgltal“ lebte in der frühen Neuzeit (1517 – 1648), einer Zeit voller Reformationen und auch einer Zeit der Glaubensspaltungen. Persönlichkeiten wie Martin Luther, Elizabeth I. und William Shakespeare prägten diese Epoche.

Es war die Zeit des Dreißigjährigen Krieges und in Tirol regierten unter anderem Erzherzog Ferdinand II und Claudia de Medici.

Das Museum hat es sich zur Aufgabe gemacht, die archäologischen Funde zu präsentieren und konservieren un die Lebensweise der Heilerin zu erläutern. Mithilfe von Texten, Audio- und Filmmaterialien gelingt dem Museumsteam der Umgang mit schwierigen Themen wie Verfolgung und Hexenprozessen. Dank angepasster Führungen, abgestimmt sowohl auf die Altersgruppe als auch die Sprache, ist die Zielgruppe des Museums breit gefächert.

Bereits ein Jahr nach Eröffnung wurde das Museum mit dem Museumsgütesiegel des Österreichischen Museumsbundes und ICOM gekennzeichnet.

Moderne HeilerInnen

Alternative Heilmethoden wecken nach wie vor großes Interesse. Bereits seit dem Jahre 2014 lassen die Modernen HeilerInnen unseren Besucherinnen und Besuchern beim gleichnamigen Event ihr Wissen zuteil werden.